7 Tage „Stille“

 Tagebuch

copyright by M. K.

Vorwort

Vermutlich sollte ich vorab etwas erklärend erzählen, wie es dazu kam, dass ich die Chance und den Weg der totalen, naja, nicht ganz totalen,  Abge- schiedenheit gewählt hatte. Irgendwann gelangt man an einen Wendepunkt in seinem Leben. Bei mir war das langfristig betrachtet, die gescheiterte Ehe, die Scheidung und das ganze Drumherum, dass mich mehr mitgenommen hatte, als mir lieb war und als ich verkraften konnte.

Die Chance die sich Einem bietet, wenn man versucht offen zu bleiben und nicht direkt Alles abwehrt, ist enorm. Gleichgültig in welcher Lebenslage man sich befindet, man hat immer die Wahl der zwei Entscheidungen. So bot sich mir also die Wahl, entweder dort weiter zu machen, worin ich gerade steckte, in tiefen Depressionen und Süchten (Alkohol und Tabletten), in Verzweiflung und dem Suizidwunsch, trotz meiner Tochter, oder aber die Abgeschiedenheit eines buddhistischen Klosters, die innere und äußere Ruhe und das Gefühl, eingebettet zu werden in Frieden.

Ich entschloss mich für letzteres.

So nahm ich Kontakt zu diesem Kloster auf, dessen Adresse mir ein lieber Mensch, natürlich wie Alles im Leben, „rein zufällig“ gab und mir beschrieb, wie schön es dort sei. Ich hatte ein nettes und auch beruhigendes Telefonat. Kurzerhand ließ ich ein Appartement reservieren und eine Woche später befand ich mich in „Tibet“ mitten in der Eifel.

Ehrlich gesagt, hatte ich schon Bedenken. Das Kloster hatte sozusagen Leerlauf. Kein Seminar stand an und ich war die einzige Person, bzw. der einzige Gast im Kloster.
Ich hatte die 7 Tage erwischt, in denen nicht Irgendetwas stattfand. Auch wieder so ein „Zufall“. Bedenken hatte ich, was in mir hoch kommen könnte, wäre ich dort total alleine mit mir. Kannte ich mich noch so gut? Oder gäbe es irgendwelche überraschenden emotionalen  Ausbrüche, denen ich nicht gewachsen war, gerade in meiner Verfassung? Käme ich damit klar? Was wäre, wenn es mir noch schlechter gehen sollte? Was wenn ich, wie früher als junges Ding, wieder absolutes Heimweh bekäme und todunglücklich wäre?
Ich machte mir etliche Gedanken und hatte ein leichtes mulmiges Gefühl im Bauch, aber es musste sich etwas ändern, so konnte es nicht weiter gehen!

Die Hinfahrt war wie eine Fahrt ins Ich. Zuerst Autobahn, immer geradeaus, dann die Abfahrt und ein Wirrwarr an Orten, Schilder, Kurven, tiefe Täler mit tiefgrünen Schluchten, Berge, Bergspitzen die den Himmel berührten, Serpentinen, die einer Achterbahnfahrt gleich kamen und irgendwann waren wir dort. Mitten im Dorf! Das hatte ich mir aber anders vorgestellt.

Ein Kloster, ein buddhistisches, auf einem Berg gelegen, in dem man aus der Tür tritt und mitten in der freien Natur steht. So dachte ich, ist es dort.
Friedlich, ruhig, dem Himmel so nah.

Natürlich war es anders! Nebenan eine kleine Kapelle, die Straße runter eine sagenhafte Kirche und das Kloster sonnengelb mittendrin. Rollsplitt knirschte unter den Reifen und wie ein kleines Lied knisterte es. War ich aufgeregt? Nein, aber ich freute mich.

Als wir ausstiegen und uns umschauten, war außer einem Mann (dem Hausmeister), der das hochgewachsene Gras abmähte, Niemand zu finden.  Recht überraschend und irgendwie auch wieder nicht so, wie ich erwartet hatte, aber ich hatte mir auch vorgenommen, Alles mit einer gewissen Art der Gelassenheit anzugehen und die alte „mel“ mal zu Hause zu lassen. Ich konnte ja nichts mehr verlieren, ich hatte nichts mehr zu verlieren. Und wenn man einmal in einer solchen Lage ist, sich dessen bewusst ist, wird man trotz Allem ruhig.

Das Kloster war leer und der Hausmeister und die gute Fee (die Putzfrau) nahmen uns in Empfang. Es war Zeit für neue Erfahrungen.
Wie ich diese „7 Tage Stille“ verbracht habe, welche Gedanken mir durch den Kopf gingen, habe ich aufgeschrieben…