28. Juli 2005
Donnerstag

3. Tag

8:00 Uhr

So früh noch. Ich habe schlecht geschlafen und dachte mir, was wohl wäre, würde hier Jemand einbrechen. Kein schönes Gefühl, wo man sich ja eigentlich erholen sollte.

Gestern hatte ich mir noch nachmittags meine Malsachen geschnappt und bin zur Kirche runter gelaufen, um sie zu malen.

Dort hat mich dann mittendrin G. abgefangen und wir sind nach St. Jost gefahren, dort in die Kapelle. Danach sind wir durch den Wald gelaufen. Wie lange weiß ich gar nicht mehr, nur war ich froh, als es anfing zu regnen und wir umkehren mussten. Ich hatte die falschen Schuhe an und es war Quälerei.

Nun habe ich einen unglaublichen Sonnenbrand. Ich hoffe mal, aus rot wird braun, das hieße, ich wäre so was von braun, wie bisher noch nie.

Gesternabend hatte ich eine Krise. Ich war ko. und total fertig. Ich habe mich allein gefühlt und mir wäre es lieber gewesen, Jemanden da zu haben, der mich mag, den ich mag, einfach so. In letzter Zeit habe ich erfahren, was es heißt, wenn man in Krisensituationen und Krisengefühlen wirklich alleine ist und damit alleine fertig werden muss. Wenn Niemand da ist, der einem Halt oder ein offenes Ohr gibt. Das ist hart, aber es stärkt. Man lernt sich, seine Tiefen, seinen Schmerz sehr genau kennen.

Muss man sich immer über Beziehungen, Symbiosen, Verbindungen definieren?  Kann man das nicht aus sich Selbst heraus? Weshalb braucht man immer einen anderen Menschen dazu? Sind Menschen generell Herdentiere und sind die Einzelgänger, Eigenbrödler, Einsiedler nur Ausnahmen, oder bilden sie sich nur etwas ein, damit sie nicht auch leiden müssen?

Ist die ganze Glaubensschiene und -frage, Erleuchtung hin oder her, nicht Alles nur Einbildung? Phantasiert der Mensch sich in seinem Hirn etwas zurecht, um überhaupt irgendeinen Halt in seinem Leben zu haben? Weshalb braucht man einen Halt aus dem Glauben heraus, der eh nicht wahr, nicht real ist? Alles beruht auf Thesen, Erzählungen, aus irgendeiner angeblich gemachten Erfahrung, Erkenntnis, oder Erleuchtung. Der Mensch rennt diesen vermeintlichen Wahrheiten hinterher und will sie glauben. Niemand heutzutage hat das miterlebt oder selbst erfahren, was gepredigt und gebetet wird. Das was wir heute beten, erfahren und glauben sind Gedanken und unsere Wunschvorstellungen, wie wir uns etwas vorstellen, wie es sein soll.

Erzählt uns Jemand, dass verschiedene Eigenschaften glückseelig machen und inneren Frieden und Glückseeligkeit bringen, dann denken wir nicht weiter darüber nach und nehmen es liebend gerne so an. Sind wir, und das sind die meisten Menschen, harmoniesüchtig und wollen inneren Frieden finden (den man ja eh nie Außen finden kann), dann versuchen wir uns diese gepredigten Verhaltensweisen, bzw. Eigenschaften, bzw. Glaubensrichtlinien anzueignen und zu befolgen. Der Mensch ist ein Herdentier und befolgt brav das, was man ihm sagt, wenn man es nur richtig verpackt.

Besteht unser ganzes Leben nur aus blindem Glauben? Ich glaube mir etwas zurecht. Mache das für mich passend und zufrieden bin ich. Der Mensch leidet nicht gerne. Er kann Leid nicht einfach ertragen. Aber genau die innere fehlende Bereitschaft dazu, führt zu Handlungen und Ansichten, die wir uns aneignen, damit wir es einfacher haben und nicht mehr so leiden brauchen.
Aber: durchdringen und durchleben wir unser Leid ganz bewusst, ohne schlechte Gefühle im Vorfelde, einfach unvoreingenommen, aber neugierig… gäbe es dann überhaupt einen Glauben??? Bräuchten wir den???

Wir tragen allumfassendes Wissen in uns. Wäre uns das bewusst, wüssten wir, dass Leid eine andere Form von Freude ist. Unlogisch? Nein. Nicht die angenehmere, der Gegenpart, aber der wichtigere. Wenn uns das bewusst wäre, bräuchten wir nicht mehr unser Leben dafür aufzuwenden, Leid abzuwenden. Es gäbe kein Leid mehr, wie wir es definieren würden. Ein anderes Leid gibt es nicht.

Ich stelle einfach mal die These auf, dass kein Mensch Gebote, Verbote, Normen und Glaubensrichtlinien brauchen würde, würde er sich auf seine ureigene Intuition besinnen. Dort liegen alle Informationen, die wir benötigen, um glücklich zu werden und Frieden zu finden.

In jedem Menschen steckt das gleiche Empfinden von Gut und Böse. Die Einen haben Zugang zu ihrem Ich, die Anderen nicht. Wir sind aber in diesem Punkt alle gleich und es gibt keine Unterschiede. Es gibt nur den Unterschied darin, wie weit wir in unser Selbst schauen wollen.
Menschen, die negativ behaftet sind, haben Angst vor ihrem Selbst, weil sie dann unweigerlich die Verantwortung sehen würden, die sie sich und allen Anderen gegenüber tragen. Sie müssten sofort handeln, rein instinktiv und könnten gar nicht anders. Im Grunde wissen sie das auch und verdrängen sich und Alles. Aber wo kommt die Kraft zum verdrängen her?

Alle Gefühle, Emotionen, die wir haben, können wir bearbeiten. Vornehmlich verdrängen wir. Weshalb auch immer. Zulassen ist wie Loslassen, eines der schweren Gefühlstaten, die wir kaum beherrschen. Wir sind immer auf der Suche von Außen nach Innen, Zufriedenheit und Glück zu erfahren. Das wird niemals so funktionieren, wie wir meinen, dass wir das bräuchten. Die Menschen bilden sich zuviel ein, wie wichtig ihr Seelenheil, ihre Glückseeligkeit ist. Glücklich werden kann man nicht von Außen nach Innen, das ist schon gar nicht abhängig von anderen Menschen.

Weshalb muss man lieben? Liebt man nur, weil man dann im besten Fall zurückgeliebt wird? Ist das also unbewusste Berechnung? Einfach ist es zu sagen „das ist so!“ oder „so sind die Menschen, das steckt in den Genen“ oder „das gehört zur Fortpflanzung“.
Unser heutiges Bewusstsein kann so manches intuitive Instinktverhalten grundlegend verändern, ja sogar abschalten. Also weshalb sollte man sich nun darauf berufen, dass es in diesem Fall die Gene & Co. wären? Man könnte glatt sagen, lieben aus dem Bedürfnis heraus, ist Egoismus. Aber negativ ist das nicht zu werten. Wobei generell nicht zu werten ist. Vielmehr stellt sich die Frage, wie wirklich wichtig uns die Befriedigung eines solchen Bedürfnisses ist.

Die meisten Menschen leiden dadurch und betrachten gerade dieses Leid als duldbar. Sie nehmen es hin und lassen es zu. Weshalb geht das nun aber nur bei diesem einen Leid aus Liebe und z.B. nicht aus Habgier, oder Hass, Missgunst oder Neid?

Alle Eigenschaft außer die Liebe (obwohl die Frage ist, ob Liebe im allgemeinen Sinne überhaupt eine Eigenschaft ist) ist aus negativen Gefühlen geboren. Diese zu ertragen würde bedeuten, wenn man Opfer ist, das man sich auf das Leid des Menschen einlässt, der solche Taten vollbringt. Mitunter sind wir als Opfer dazu gar nicht in der Lage. Hätten wir wohl ähnliche Erfahrungen, auf diesem Gebiet, würden wir das teilnahmsloser betrachten und auch eher hinnehmen. Die Täter-Opfer-Rollen sind ausschlaggebend für unser allgemeines Verständnis füreinander. Ein Opfer würde normalerweise niemals versuchen, den Täter zu verstehen. In jeder Hinsicht spalten sich die Menschen zwischenmenschlich, gesellschaftlich, in ihrem Sein, ihrer Darstellung/Selbstdarstellung, Empfindung, im Umgang mit sich und dem Umfeld, als Täter und Opfer. Einklang wird es nie geben, da er ja in uns nicht vorhanden ist.

Ob die Tiere hier anders sind, als bei mir? Wie viele Bienen & Co. sich schon auf meine Finger gesetzt haben, weiß ich gar nicht mehr, Fliegen, Bienen, Wespen, und anderes Getier. Heute früh war eine Katze hier. Deren Haufen ist wohl der, der vor meiner Tür liegt. Sie erschreckte sich, als ich sie rief, kam nicht zu mir. Sie war wohl doch zu überrascht. Aber es ist schon wirklich erstaunlich, wie sich hier das ‚Flugvolk‘ verhält.

Ich beobachte sie gerne und höre auf die Vögel, den Wind und Alles um mich. Meditieren brauche ich gar nicht. Die Geräusche der Erde sind Meditation genug, wenn man hinhört.

Der Wind geht momentan extrem stark und die drei riesigen Tannenbäume am Teich biegen sich. Der Wind sorgt für Kälte, obwohl die Sonne richtig brennt.

Gesternabend war das TV hier. Es wurde eine heilige buddh. Messe abgehalten. Ich war nicht dabei und wollte es auch gar nicht. Glauben im menschlichen Sinne bedeutet immer Zwang. Auch wenn im Buddhismus hinterfragt werden soll, so wäre es Augenwischerei, würde man annehmen, man könnte sozusagen glauben, wie man fühlte. Es gibt, wie in jedem Glauben, den wir kennen, ganz klare Richtlinien, Vorgaben, wie man sich verhalten soll, wie was wann zelebriert wird. Alles von Menschenhand für Menschen, die einen Rahmen, ein Fundament brauchen, um leben zu können. Da frage ich mich: Wer ist der ärmere Mensch? Der glaubt, ohne zu wissen? Oder der nicht glaubt, aber an sich selbst? Geht Beides? Jemand der an ‚etwas‘ außer die allgemeinen Religionen glaubt, aber doch an ‚etwas‘ und eben auch an sich selbst und ein Fundament von sich selbst aus gebaut hat? Ohne Hilfe irgendeines Glaubens?

Wie weit beeinflusst uns unbewusst  unser Wissen über all diese verschiedenen Religionen, in der Findung zu unserem ureigenen Glauben? Kann man das, was wir generell über diese Religionen wissen, einfach abschalten? Oder aber, ist dieses automatische unbewusste Wissen (durch Medien & Co. und Erziehung), in ihrer kompletten Gesamtheit, die Wahrheit in ihrer kleinen dünnen Form, in uns, das Fundament, oder das Samenkorn? Das würde bedeuten, dass wenn wir ja von allen Religionen immer ein bisschen, ein kleines Stückchen, erfahren haben, etwas darüber unbewusst in uns wissen und tragen, dass Alles zusammen erst die EINE Wahrheit ergibt, werden lässt und der Rest, durch unser in uns allumfassendes Wissen vervollständigt wird. Somit wären alle Religionen nur Puzzleteilchen.

Wenn der M